Ein Kleinkind, dessen Vater getötet wurde

Aus dem Dialog, in dem sich das Kind frei spielt:
„Komm Papa, … zu mir. Warum bist du so weiß?“
„Ich habe Bluut, ich muss schlafen.“

Das Kind versorgt die Wunden

Ein Baby ist die zweite Spielfigur – und Selbstobjekt. Es erfährt ebenfalls Fürsorge, bekommt Milch mit einem Fläschchen. Ein Teddybär wird zum helfenden Begleiter.

Kinder erholen sich möglichst spielerisch von traumatischen Erlebnissen, von einem Schock, Unglück oder Verlust. Sie greifen zu einfachen Lösungen, sie spielen sich frei und können schreckliche Erlebnisse lösen.

Was die Szenen erzählen, kann ich oft 1:1 übersetzen.
Im Beispiel liegt eine erwachsene Figur am Boden, ist tödlich getroffen. Eine Kleine ist bei der Leiche.

Das hat das Kind erlebt und bewältigt es nach und nach

Stell dir vor, ein Kind stellt Szenen sexueller Gewalt mit Spielfiguren dar:
Ein Sofa. Ein Mädchen. Eine Mutter („Meerjungsfrau“, sagt das Kind.) Ein Überfall, ein Haifisch und andere sexuelle Symbole im Setting.
Das sind relevante Informationen für die pädagogischen Fachkräfte. Ich gebe sie weiter.

Die zuständige Sozialarbeiterin sagt: „Stimmt. Die Mutter hat uns berichtet, dass sie auf dem Sofa vergewaltigt wurde und dass das Kind dabei war.“
Die Beobachtungen stimmen überein.

Wir dokumentieren das

Nach dieser Struktur, die sich bewährt hat:
1. Was weiß ich?
2. Was schließe ich daraus?
Weil nicht für alle Beteiligten die psychosoziale Sprache gleich deutlich ist.
Wir nehmen die Info in eine Stellungnahme auf.

Später, im Gerichtsverfahren vor dem Familiengericht, wird das Umgangsrecht für den Kindsvater behandelt.
Weil Kinder das Recht haben, vor jedem Kontakt mit gewaltbereiten Eltern, bzw. mit SexualstraftäterInnen, bewahrt zu werden.

Kennst du einen ähnlichen Fall – oder mehr? Aber es ist dir noch nicht gelungen, Kinder vor dem Zugriff missbrauchender Eltern zu bewahren?
Dann habe ich diese Sätze für dich geschrieben. Ich glaube, dass du die Kraft hast, Kinder zu beschützen.

Wenn du dich für eine geeignete Therapie bei Trauer und Trauma interessierst, dann schreib mich gerne an oder lies hier weiter.


Über die Autorin

Andrea Brummack

Andrea Brummack ist Kunst- und Tonfeldtherapeutin, freie Sachverständige in Fragen sexueller Gewalt und Kinderschutzbeauftragte. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden.

Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in einem Dorf bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.

„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit sexuellem Missbrauch umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.“