Grooming

Grooming: Eine Mutter beobachtet im Kindergarten einen Vater, der Süßigkeiten an Kinder verteilt. Erst scheint es harmlos – dann bemerkt sie, dass Kinder tief in seine Hosentasche greifen. Hat er das absichtlich so eingefädelt? 

Wenn ja, dann ist es Grooming: Jemand baut eine besondere Beziehung zu einem Kind auf. Er oder sie schenkt Aufmerksamkeit, macht Komplimente, zeigt Verständnis für Probleme, gibt kleine Geschenke.​​​ Alles scheint harmlos – bis es das nicht mehr ist.

Wissen schützt

Grooming ist der schleichende Prozess, mit dem Täterpersonen Kinder gezielt manipulieren, um Situationen sexuell aufzuladen. Um Kinder gefügig zu machen und schrittweise auf sexualisierte Gewalt vorzubereiten. 

Die Täterpersonen sind häufig direkte Bezugspersonen, die zunächst mit kleinen Grenzverletzungen austesten, wie weit sie gehen können. Umso wichtiger ist es, dass Kinder übergriffiges Verhalten früh erkennen und wissen, was in Ordnung geht – und wann sie sich besser jemandem anvertrauen.

Warum ist das wichtig?

  • Grooming geschieht im Verborgenen – es passiert in Familien, in Schulen, in Vereinen und anderswo oder online
  • Täterpersonen spinnen ein Netz aus falschem Vertrauen, Geheimhaltung und Schuldgefühlen
  • Kinder spüren, dass „etwas nicht stimmt“, können es aber nicht benennen
  • Erwachsene deuten Anzeichen häufig falsch, und sie zögern, sich einen Verdacht einzugestehen, geschweige denn zu äußern

Was ist okay und wo beginnt sexuelle Nötigung?​

Ein Buch zur Prävention

  • Wie können Fachkräfte sensibel reagieren, bevor es zu spät ist?
  • Wie spreche ich mit einem Kind über sexualisierte Gewalt?
  • Welche Tipps gibt es für verunsicherte Eltern?

Das Kinderfachbuch „Ist das okay?“ von Agota Lavoyer unterstützt Eltern, Fachkräfte und Kinder dabei, Täter zu enttarnen und sich sicher im Alltag zu bewegen.

Ist das okay?

Mehr darüber, wie du mit Kindern über Grenzen und Kinderschutz sprechen kannst, und Einblicke ins Buch, findest du hier .

Was Fachkräfte tun können

  • Beziehungen zu Kindern bewusst gestalten: Grenzen, Nähe und Distanz reflektieren
  • Frühzeitig über unangenehme Gefühle sprechen – Kinder dazu ermutigen
  • Täterstrategien kennen: Täuschung, Geheimhaltungsdruck, Schuldzuweisung
  • Sich als Team austauschen und Verdachtsfälle besprechen. Hinterfrage Auffälligkeiten, sprich mit KollegInnen darüber und warte nicht zu lange mit dem nächsten Schritt. Du kannst dich dazu beim Hilfetelefon beraten lassen.
  • Kinder stärken; ihnen zeigen, dass sie ernst genommen werden und Hilfe bekommen

Grooming ist selten offensichtlich – je früher wir es erkennen, desto eher können wir Kinder schützen.

Hast du Erfahrungen mit diesem Thema gemacht? Kennst du einen ähnlichen Fall – oder mehr? Aber es ist dir noch nicht gelungen, Kinder vor dem Zugriff missbrauchender Eltern zu bewahren?

Dann habe ich diese Sätze für dich geschrieben. Ich glaube, dass du die Kraft hast, Kinder zu beschützen.

Wenn du willst, dann komm zu den Online-Treffen der Gemeinschaft Caregivers Welcome für Austausch, Feedback und Motivation in einer inspirierenden Gruppe von Gleichgesinnten.


Über die Autorin

Andrea Brummack

Andrea Brummack ist Kunst- und Tonfeldtherapeutin, freie Sachverständige in Fragen sexueller Gewalt und Kinderschutzbeauftragte. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden.

Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in einem Dorf bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.

„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit sexuellem Missbrauch umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”