Die aktuelle Struktur endet. Die neue ist noch nicht da

Kennst du jemanden, der sich über den Fonds Sexueller Missbrauch informieren möchte?

In der letzten Woche kam eine Pressemitteilung aus dem Büro der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. 

Darin – fast beiläufig – der Wunsch nach einem Nachfolgemodell. Der Fonds soll laut einer neuen Richtlinie des Bundesfamilienministeriums bis Ende 2028 abgewickelt werden.

Hoffentlich ist das Ende des Fonds der Anfang von etwas Besserem 

Ich bin jede Woche bei meinem Vater – von Frühling bis Herbst helfe ich im Garten. Wir schneiden die Büsche aus und ich fahre Zweige und Gestrüpp zur Sammelstelle. 

Weil es so warm ist, sind viele da. Ein geschäftiges Wimmeln. Ein Bagger schiebt riesige Ast-und-Grün-Häufen zusammen. Ein Mercedes mit Anhänger nimmt mir die Vorfahrt. Man bringt Fuhre um Fuhre. In einer Ecke auf der linken Seite war ich noch nie. Dort fallen mir Leute auf, die Kompost schaufeln.

Ich gehe rüber. Eine Kasse für Münzen hängt an der Wand. Eine Preisliste. Wer gärtnert, kennt den Wert von Kompost.
Am richtigen Platz, unter guten Bedingungen, werden die alten Ressourcen zu fruchtbarer Erde.

So könnte es mit den ergänzenden Hilfen für Betroffene sexualisierter Gewalt sein. 

Kompost steht für Neuanfang

Der Fonds Sexueller Missbrauch schließt bislang Lücken in den gesetzlichen Sicherungssystemen. 

Die Krankenkassen bewirken Lücken, zum Beispiel mit dem Standpunkt: Wir wissen, dass körperorientierte Therapien sehr viel hilfreicher sind, aber trotzdem werden wir sie nicht finanzieren.

Darum können Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, ergänzende Hilfen aus dem Fonds beantragen. 

Seit dem 01.01.2025 anders als bisher

Die wichtigsten Fristen:

  • Erstanträge können nur noch bis 31. August 2025 gestellt werden
  • Bewilligungen erfolgen spätestens bis 31. Dezember 2025
  • Auszahlungen laufen bis 31. Dezember 2028

Danach? Nach heutigem Stand gibt es keine Fortführung.

Hoffen auf Innovation

Die neue Richtlinie ab 2025 ist bereits eine Umgestaltung – wenn auch eine, die durch haushaltsrechtliche Vorgaben weniger flexibel ist. Aber was danach kommt, ist noch ganz offen.

Umso wichtiger ist es, dass wir 

  • Betroffene unterstützen, ihre Anträge zu stellen
  • Politisch und persönlich für langfristige Hilfen eintreten
  • Das Thema im Blick behalten

Kompost wird zu Erde. Strukturen zerfallen und neue Ideen können wachsen. Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen guten Boden entstehen lassen. Der alte Fonds ist die geeignete Grundlage, mit seinen wertschätzenden und pragmatischen Anteilen. 

🐝 Du kennst Kinder, die sexualisierte Gewalt erlebt haben? Oder du hast selbst sexualisierte Gewalt erlebt und möchtest dich davon erholen? Hier kannst du mein Angebot kennenlernen. Ich biete auch Lösungen an, wo Worte ganz fehlen. Soziale Organisationen können feste Zeitkontingente mit mir buchen.


Über die Autorin

Andrea Brummack

Andrea Brummack ist Kunst- und Tonfeldtherapeutin, freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt und Kinderschutzbeauftragte. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden.

Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in einem Dorf bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.

„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit sexuellem Missbrauch umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”