Was sind typische Situationen aus der Praxis?

Kinderschutz-ABC: In meinen Feedbacks gehe ich häufig auf Feinzeichen von Kindern ein, auf emotionale Abwehr, auf den Selbstschutz beteiligter Fachkräfte und auf eine Reihe anderer Themen, die im Kinderschutz entweder problematisch sind oder oft auf den Tisch kommen.

Weil mir das für den Alltag sinnvoll erscheint, habe ich ein Kinderschutz-ABC geschrieben. Es gibt mir eine Struktur, hat Wiedererkennungswert in den sozialen Medien, und ich kann dort über alle Themen schreiben, die mir wichtig sind. Also: Was kommt oft vor?

Wie habe ich das Kinderschutz-ABC geschrieben?

Zunächst habe ich eine Liste mit den Buchstaben von A bis Z erstellt und alle Themen, die mir eingefallen sind, einsortiert. Dann habe ich überlegt, was ich zu jedem Buchstaben schreiben könnte. Die Grafiken habe ich mit Canva gestaltet, dann musste ich „nur noch“ die Texte schreiben und einplanen. 

Ich habe die Inhalte so vorbereitet, dass ich ab jetzt alle vierzehn Tage einen Post aus dem Kinderschutz-ABC auf Facebook, Instagram und LinkedIn teilen kann. Einige Texte sind sehr lang, andere sind wirklich knapp, und manche enthalten weitere Empfehlungen.

Z wie Zeit

Jetzt möchte ich über den Buchstaben Z berichten: das ist der kürzeste Beitrag. 

Ich denke, er ist unter anderen für GutachterInnen wichtig, die Kindern bisher ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen haben, weil diese nichts über die konkreten Zeiten aussagen konnten, zu denen sie sexuelle Übergriffe erlebten. 

Die neurologische Reaktion auf ein Trauma kann Zeitgefühl und Zeitwahrnehmung so stören, dass Betroffene buchstäblich aus der Zeit zu fallen scheinen. Sie fühlen sich erstarrt und können sich, in die eigene Zeit eingefroren, von anderen Menschen oder von der Normalität entfremdet fühlen.

Zeit scheint schneller oder langsamer zu vergehen, verschwimmt in der Abfolge, wird als unwirklich, verschoben, gleichzeitig-gegenwärtig-vergangen-zukünftig, asynchron oder abwesend erlebt.

In der Hypnoseforschung gilt verlangsamte oder beschleunigte Zeitwahrnehmung, d.h. Zeitverzerrung, als Trancephänomen.

Darum können wir in sanft angeleiteten Zeittrancen einige Traumafolgen ganz besonders erfolgreich behandeln. Das ist wie Resynchronisieren, d.h. wir gleichen Vorgänge zeitlich ab. Sie können (wieder) in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen. Wir bringen Daten wie Erinnerungen, Bilder, Sprache, Gedanken, Sinneseindrücke, Kontakte oder Termine auf den gleichen Stand.

Resynchronisieren als Heilungsmöglichkeit

  • zeitlicher und räumlicher Freiraum von gesellschaftlichem Druck (zum Beispiel durch Krankschreiben, Freistellen vom Schulunterricht, Therapiezeiten)
  • körperliche, geistige und emotionale Starre lösen (Körperübungen, Entspannungsmethoden, soziale Kontakte)
  • Rhythmisierung durch strukturierte Tagesabläufe, Schreib-, Mal- oder Erzählprozesse, Musik, Routinen o.a. Annäherung an zyklische Zeit

📌 Möchtest du das ganze Kinderschutz-ABC im Blick behalten? Dann folge meinen Beiträgen auf meinen Plattformen, siehe unten.

Wenn du dich für eine geeignete Kindertherapie nach einem Trauma interessierst, dann schreib mich gerne an oder lies hier weiter.

kinderschutz-abc

Über die Autorin

Andrea Brummack

Andrea Brummack ist Kunst- und Tonfeldtherapeutin, freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt und Kinderschutzbeauftragte. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden.

Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in einem Dorf bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.

„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit sexuellem Missbrauch umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.“